Mathematische Fakultät
Georg-August-Universität Göttingen
Kurt Reidemeister
Reidemeister wurde am 13. Oktober 1893 in Braunschweig geboren. Er kam Anfang
der zwanziger Jahre in Hamburg mit Blaschkes Differentialgeometrie in
Berührung. Das sollte für sein späteres Leben bestimmend werden: die Geometrie
wurde sein eigentliches mathematisches Forschungsgebiet. Seine Untersuchungen
erstrecken sich auf die Grundlagen der Geometrie bis hin zur
Topologie. Forschungsgegenstände waren hier vor allem die Knotentheorie, die
kombinatorische Topologie, der Homotopiekettenring. Viele der behandelten
Fragestellungen fanden bei den Topologen erst ein größeres Interesse in den
sechziger Jahren, die wir heute als eine Zeit höchster Blüte in der Topologie
ansehen. Die Reidemeistertorsion, die im Anschluß an die Arbeiten Reidemeisters
gefunden wurde, spielte dabei eine wesentliche Rolle.
Seine über die Mathematik hinausragenden philosophischen und allgemein
literarischen Interessen hat Reidemeister nie verkümmern lassen. In Wien (1922 -
1925) trat er der logischen Schule, dem Wiener Kreis näher. Ihn interessierte
vor allem das mathematische Denken, wie etwas in der Mathematik bewiesen wird
und auch unsere geometrische Anschauung, die unsere Psychologen heute die
visuelle Mannigfaltigkeit nennen. Er fand, daß nur die berandeten Körper
anschaulich sind. Reidemeister lehrte 1925 - 1933 in Königsberg, wurde 1933
zunächst entlassen, dann 1934 als Nachfolger von Hensel nach Marburg berufen und
war ab 1955 in Göttingen. Am 8. Juli 1971 ist er hier gestorben.
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URL: http://www.math.uni-goettingen.de/Personen/Bedeutende_Mathematiker/reidemeister.html