Der alte Gaußturm auf dem Hohen Hagen

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Zum Beginn des 16. Jh. war der Hohe Hagen samt der ihn näher umgebenen Wälder und Felder im Besitz des Klosters Hilwartshausen. Erst 1529 übertrugen die "geistlichen Jungfrauen des Stiftes" den Hohen Hagen und Umland an Rat und Bürger der Stadt Dransfeld. Von den bedeutenden Basaltvorkommen hatte man damals keine Ahnung (siehe [3], S.54).
Die bedeutensten Basaltsteinvorkommen Deutschland liegen in der Eifel, der Röhn, im Westerwald und in der schwäbischen Alb. Abbauwürdige Mengen diesen vulkanischen Gesteines, das seinen Ursprung in der Tertiärzeit hat, kommen aber auch im Mittelgebirge des südlichen Niedersachsens vor. Der Abbau von Basaltgestein am Hohen Hagen begann 1825/26 ?. Bereits 1856 wurde der Steinbruch erweitert. Für die Stadt Dransfeld war der Abbau sehr lukrativ: das Wegegeld floß in die Stadtkasse (siehe [3], S.352-353).
Im 19. Jh. war der Hohe Hagen

Johann Wolfgang von Goethe verweilte auf seiner Reise zur Kur nach Bad Pyrmont (dort sechs Wochen zur Kur verweilend) vom 6.-12. Juni und auf der Rückreise nach Weimar vom 19.7. bis 14.8. 1801 in Göttingen. Dort unternahm er einige der beliebten Kutschfahrten nach Mariaspring und den damals unbewaldeten Hohen Hagen. In seinem Tagebuch schreibt er:
"Freitag, am 14. August nachmittags in Dransfeld. Daselbst die Basaltbrüche besucht und den Hohen Hahn (platt Hauen Hohn) bestiegen, auf welchem man die schönste Aussicht genießt. So sieht man z.B. den Brocken, den alten Hanstein, das Schloß Berlepsch, zwei Gleichen und ihren Ruinen, Göttingen mit den umliegenden Dörfern, den Hainberg, hinter demselben die waldigen Harzgebirge, sodann Northeim und die Pleßburg, ferner die Gegend von Hameln und Holzminden." Die schöne Aussicht hat bei ihm tiefen Eindruck hinterlassen, denn er schreibt am 10.10.1801 an Georg Sartorius in Göttingen: "Ich versetze mich gleich wieder an den Tag meiner Ueberreise von Göttingen, dessen Abend ich in Dransfeld zubrachte. ... Es war mir angenehm, von da aus die Gegend, die ich soeben verlassen sollte, erst recht im Zusammenhange zu übersehen ..." In den "Annalen oder Tag- und Jahresheften" erwähnt er nocheinmal die Besteigung des Hohen Hagen und sagt zu den Basaltbrüchen: "deren problematische Erscheinung schon damals die Naturforscher beunruhigte" ([1], S.14,16; [2], S.183; [3] S.169; siehe auch Göttinger Monatsblätter)

Goethe zog es nicht noch einmal in die Gegend von Göttingen.
Der Verschönerungsverein Dransfeld beschloß am 29.4.1906 einen massiven Aussichtsturm zu errichten. Dazu wurde ein Turmbaufond gegründet. Gauß hatte am höchsten Punkt des Berges einen Vermessungsstein errichtet. Der Stein war inzwischen umgeworfen wurden, deshalb beschloß der Verein ihn wieder am ursprünglichen Standort aufzurichten ([1], S.17). Am 9.7.1908 war der Turmbau gesichert und sollte in Erinnerung an das für die Wissenschaft und die ganze Welt bedeutungsvolle Wirken von Gauß "Gaußturm" heißen. Der Verein beschloß auch den Gaußstein, den Gauß Zu Ehren von Carl Friedrich Gauß wurde auf dem Hohen Hagen bei Dransfeld am 31. Juli 1911 der Gaußturm eingeweiht.



Der Tum ist 35m hoch und wurde im wesentlichen aus Basaltsteinen errichtet. Die Baukosten betrugen 51000 Goldmark. Das Grundstück hat die Stadt großzügig zur Verfügung gestellt. Kaiser Wilhem II überwies wohlwollend 4000 Mark aus der Staatskasse. im Turm führte ein Wendeltreppe hinauf in das Gaußzimmer. Dort befanden sich einige Geräte zur Landvermessung und die von dem Berliner Bildhauer Eberlein gestiftete Gaußbüste aus weißem Marmor. Die Wendeltreppe führt weiter in eine geräumige Halle, von dort führt eine bequeme Treppe von 90 Stufen bis zur Turmspitze. Unten umgab den TUrm im Süden und osten eine Veranda, in dessen Gemäuer sich ein alter Gaußstein befand. Darunter befand sich der Erfrischungsraum
Im Turm befand sich ein Erfrischungsraum und das Gaußzimmer, darin befand sich eine Ausstellung mit Geräten zur Landvermessung.
Gaußturmwiese
Turmwärterin Lina Eilers

Die Sorgen um den Turm begannen bereits 1926.
Ab 1924 setze die bedeutenste Zeit des Basaltabbaus ein, das Bruchgebiet wurde um 11 Hektar erweitert. Im Vertrag steht: "Die Betriebseinrichtungen sind so anzulegen, daß eine Störung des Fremdenverkehrs nach dem Gaußturm vermieden wird. Raubbau darf nicht betrieben werden." Der Pächer sicherte zu, jegliche Schäden die dem Gaußturm oder Berggasthaus zugefügt werden könnten, zu vermeiden und dafür zu haften. Die Basaltvorkommen am Hogen Hagen waren aber nicht unerschöpflich, so wurde der Vertrag bald ergänzt: der Bruchabstand zum Gaußturm wurde auf 36m verkürzt. Dies hatte fatale Folgen (siehe [3], S.357-361).

Ab ... gab es Bestrebungen auch den Basalt unter dem Turm abzubauen, dazu hätte der Tum abgerissen werden müssen. Die Verhandlungen um den Erhalt des Turmes gestalteten sich zäh (ausführlich behandelt in [2],149,178-182). 1955 (?) mußte sich der Verein trotz starkem Widerstand damit abfinden, daß seitens der Stadt der Dransberg für den Basaltabbau freigegeben wurde. Dabei ist zu beachten, das der Dransberg als einziger Berg seit vielen Jahren unter Landschaftsschutz stand. Ab 18.10.1960 trat die akute Phase der Turmzerstörung ein. Die Gaußturmverwaltung als Vertreter des Verschönerungsvereins Dransfeld wurde 1961 aufgelöst. Bei einer Sprengung vom 10.4.1962 hatte der Turm und die Gaußturmwiese starke Schäden davongetragen. Der Basaltgrund war völlig gelockert und eine Reparatur des Turmes war fraglich. Bereits im Oktober 1963 wird der Bau des neuen Gaußturmes begonnen. Am 14.11.1963 um 11:13 stürzte der schwer angeschlagene Turm infolge einer Sprenung ein.
Der neue Turm war im September 1964 fertiggestellt. Der Basaltabbau wurde 1971 eingestellt. Beim Bau der ICE-Trasse Göttingen-Kassel wurden die Tunnelaushübe in den Steinbruch eingebracht.
Noch heute steht in der Nähe des Gaußturmes das 1912 errichtete "Berggasthaus zum Hohen Hagen" (heute Jugendherberge (?)).
Die Zerstörung des alten Gaußturmes hat tiefe Wunden geschlagen und ist in keiner Weise zu rechtfertigen. Dies entsprach jedoch dem Zeitgeist der 60iger und 70iger Jahre. Zu Bedenken sind auch die Spendengelder, wodurch der Turmbau erst möglich wurde. Neben dem Gaußturm sind damals in Göttingen noch weitere bedeutende Gebäude dem Abriß zum Opfer gefallen.

Abbildungen:
vom Bau: [2], S.163
von der Eröffnung: [3], S.391
Turmwärterin [2], S.146; [3], S.392
von außen: [1], S.1; [2] Titel; [3], S.387
Luftaufnahme: [3], S.390
mit Basaltsteinbruch: [1], S.97; [2], 166,180; [3], S.353f.,359f.,392
vom Inneren des Gaußturmes:
- Erfrischungsraum: [1], S.26, [2], S.166; [3}, S.388
- Gaußbüste von Eberlein: [1],98; [2],169; 167,174
- Gaußzimmer mit Geräten: [1], 23; [2],167,174; [3], S.388
im Schnee: [3], S.397
Gaußturm mit Wiese: [2], S.179
Berggsasthaus: [1], S.28; [2], S.167; [3], S.394,397
neuer Gaußturm : [2], S.181

Literatur
[1] Der Hohe Hagen bei Dransfeld in Südhannover. Herausgegeben von der Gaußturm-Verwaltung. Göttinger Tageblatt [1915]. S.17-28
SUB Göttinger: 8 H HANN I, 253.
[2] 1881-1981. 100 Jahre Verkehrs- und Verschönerungsverein Dransfeld, e.V. [Stadt Dransfeld 1981].
Enthält: Horst Michling: Carl Friedrich Gauß und er Hohe Hagen. S.170-187.
In SUB Göttingen nicht vorhanden.
[3] Rehkop, Friedel. Stadt Dransfeld. Ein geschichtlicher Rückblick vom 19. Jahrhundert bis zur Frühzeit. Band 1. Horb am Neckar: Geiger-Verlag, 1999. S.196--200,352-360,387-397.
ISBN: 3-89570-561-6. SUB Göttingen: FA 23556:1.


letzte Änderung: 17.1.2005 Stefan Krämer