Das Gauß-Weber-Denkmal nach 1945

Die Denkmäler des 19. Jahrhunderts wurden leider nach 1910 viele Jahrzehnte geringgeschätzt, wenn nicht sogar verachtetet. Unserem historischen Verständnis war es wenig dienlich, daß sich Kunst-Kritiker und -Historiker die Urteile der Künstler aus dem 20. Jahrhunderts lange zu eigen gemacht haben. Seit Anfang der 80er Jahre ist aber eine gänzlich andere Situation eingetreten. Wir sehen heute die Kunst des 19. Jahrhunderts mit anderen Augen, ohne die Voreingenommenheit der früheren Jahre.
Das Göttinger Doppelstandbild befindet sich zur Zeit leider in einem schlechten Zustand. Zum einen ist es heute nicht mehr vollständig erhalten: Es fehlt der Draht, den Gauß in seiner rechten Hand hält. Weniger bekannt ist, daß die den Sockel umschließende achteckige Steinumfassung fehlt. Auf der nebenstehenden Photographie von 1953 ist sie noch gut zu erkennen, die aber gleichzeitig einen traurigen Anblick des Denkmals liefert - die Harmonie des Ganzen ist gestört. Denn den größten Verlust stellt das schöne schmiedeeiserne Geländer dar, das auf diesem Achteck montiert war. Im 19. Jh. war es üblich die Denkmäler mit einem Geländer zu umgeben, die selbst wiederum als Kunstwerke zu betrachten sind. Wann und aus welchem Grund das Geländer entfernt wurde, ist bislang nicht bekannt.
Die beiden folgenden Abbildung zeigen die filigrane Schmiedearbeit. (Vgl. das Geländer an Gauß' Grabdenkmal, wurde Ende November 1967 erneuert, nachdem es durch Vandalismus mehrmals beschädigt wurde.)
Zum anderen verschlimmert sich seit einiger Zeit der Zustand des Sockels. Zunächst könnte man meinen, der Sockel sei monolithisch, dies ist aber nicht so; vielmehr besteht er aus 13 zusammengesetzten Einzelteilen (3 Etagen mit je 4 Teilen und der darüberliegende Abschluß). Die Fugen haben sich in den letzten Jahren auf 3cm erweitert und der Teil mit der Inschrift neigt sich nach vorn. Des Sockel droht also auseinander zu fallen. Die fehlende Einfassung ist für die Standfestigkeit auch nicht förderlich.

An dieser Stelle darf kurz an das traurige Schicksal des alten Gaußturmes auf dem Hohen Hagen erinnert werden, der am 14.11.1963 infolge einer Sprengung einstürzte, die zum Zwecke des Basaltabbaus unter dem Turm durchgeführt wurde. Sämtliche Bemühungen, diese Erinnerungsstätte an Gauß zu erhalten waren gescheitert. Die Zerstörung des Gaußturmes erscheint heute in gewisser Weise als Geringschätzung der Leistungen des großen Gelehrten, und kann in keiner Weise gerechtfertigt werden.

Es wäre ein hoher Gewinn für die Stadt, die Universität und die Göttinger Bürger wenn es gelänge den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen:



letzte Änderung: 16.10.2000 Stefan Krämer