Carl Ludwig Siegel (1896-1981)
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Kurz darauf wurde sein Studium jedoch durch Einziehung zum Wehrdienst
unterbrochen. Erst zum Sommersemester 1919 bezog er die Universität
Göttingen und promovierte 1920 bei Landau mit seinem bereits in Berlin
gefundenen Ergebnis. Nach kurzer Unterbrechung durch einen Lehrauftrag an der
Universität Hamburg war er weitere drei Semester als Assistent von
Courant in Göttingen. Aus dieser Zeit stammt eine Reihe bedeutender
Arbeiten, aus der algebraischen und analytischen Zahlentheorie, die den jungen
Gelehrten rasch bekannt machten und dazu führten, daß er 1921 die
venia legendi für Mathematik erhielt und bereits 1922 als ordentlicher
Professor für Mathematik an die Universität Frankfurt berufen
wurde. 1938 ging Siegel nach Göttingen und 1940 über Norwegen in die
USA, wo er am Institute for Advanced Study in Princeton eine
Wirkungsstätte fand. 1951 wurde er auf einen freigewordenen Lehrstuhl an
die Universität Göttingen zurückberufen und hier 1959
emeritiert. Bis zu seinem Tode am 4. April 1981 lebte er weiterhin in
Göttingen und war auch noch am Mathematischen Institut tätig.
Siegels wissenschaftliches Werk umfaßt bahnbrechende Arbeiten aus verschiedenen Teilen der Mathematik, insbesondere aus Analysis und Zahlentheorie. An seine Dissertation knüpft eine große Arbeit über diophantische Approximationen mit Anwendungen auf diophantische Gleichungen an. Den Ergebnissen aus der analytischen Zahlentheorie folgen grundlegende Arbeiten über die analytische Theorie der quadratischen Formen, die wiederum zu Untersuchungen über Modulfunktionen höheren Grades führten. Diese Funktionen tragen heute seinen Namen und sind zum Gegenstand einer eigenen Theorie geworden. Dieses sei an einem Beispiel erläutert.
Zu Siegel's berühmtesten Arbeiten gehören diejenigen über die
analytische
Theorie der quadratischen Formen. Eines der wichtigsten Resultate ist die
"analytische Klassenformel", welche folgendes besagt:
Ein weiteres Arbeitsgebiet war die Himmelsmechanik, der Siegel entscheidende Fortschritte verdankt. In seinem Buch über Himmelsmechanik findet sich sinngemäß der folgende Satz:
"Es lassen sich positive Zahlen
In seinen Vorlesungen sowie in seinen Veröffentlichungen hat Siegel großen Wert auf die sorgfältige Ausarbeitung bis ins Detail gelegt. Seine Vorlesungen waren wegen ihrer Klarheit berühmt. Er benutzte nie ein Manuskript, sondern trug völlig frei vor, wobei er auch die kompliziertesten Formeln aus dem Gedächtnis beherrschte. Carl Ludwig Siegel war einer der wirklich Großen in der Mathematik dieses Jahrhunderts, und er hat ihre Entwicklung entscheidend beeinflußt. Bei einem solchen Lebenswerk blieben die Ehrungen nicht aus. Carl Ludwig Siegel war Ehrendoktor mehrerer in- und ausländischer Universitäten, Mitglied zahlreicher Akademien und wissenschaftlicher Gesellschaften. 1964 wurde ihm das große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Eine besondere Ehrung war die 1963 erfolgte Wahl zum Mitglied des Ordens pour le mérite. 1978 wurde ihm der hochdotierte Wolf-Preis verliehen. |